Teslas Vision: menschliche Vereinigung und Harmonie.
Die Tesla-Spule - Wegbereiter für menschliche Vereinigung?
Tesla war an erster Linie an seinen Ideen, Idealen, Erfindungen, an seiner Arbeit und ihrem Fortgang interessiert, nicht am kommerziellen Erfolg. Er betrachtete seine Bemühungen als Dienst am humanitären und zivilisatorischen Fortschritt der Menschheit.
Als die “wichtigste und nützlichste” aller seiner Erfindungen sah er den “Verstärkungstransmitter” an (die sogenannte “Tesla-Spule”, 1891 – zur Erzeugung von gefahrlosen Hochspannungen und drahtloser Übertragung von elektrischer Energie). Diese Beurteilung ergibt sich für ihn ...
... “nicht so sehr durch Überlegungen in Bezug auf die kommerzielle und industrielle Revolution ... sondern auf Grund der humanitären Folgen der vielen Errungenschaften, die dieser [der Transmitter] möglich macht. Betrachtungen über eine bloße Nützlichkeit zählen wenig im Vergleich zum größeren Nutzen für den zivilisatorischen Fortschritt ... Der größte Nutzen kommt von technischen Neuerungen, die zu [menschlicher] Vereinigung und Harmonie beitragen und auf meinen drahtlosen Transmitter trifft die in herausragender Weise zu.”
Es folgt eine Schilderung der Möglichkeiten, die Tesla sah:
Übertragung menschlicher Stimmen und Bilder; Versorgung entfernter Fabriken mit von Wasserfällen gelieferter Energie; Luftfahrzeuge, die ohne Halt fliegen können; Sonnen-/Wasserkraft zur Erzeugung von Antriebsenergie und Umwandlung von Wüsten in fruchtbares Land. - Eine wahrhaft “faustische” Schau! (Tesla zitiert verschiedentlich den "Faust" von Goethe)
(Nikola Tesla, My Inventions / Meine Erfindungen, 1919)
Heute ist man allerdings der Auffassung, dass Tesla die technischen Möglichkeiten seiner Erfindung überschätzt hat. “Glaube” an seine Erfindungen und “Illusionen”, die ihn vorantrieben, gehören zum Weg dieses genialen Erfinders.
Große Tesla-Spule im Tesla Museum in Belgrad (Quelle: wikimedia.org/Jorge Láscar)
Menschlicher Fortschritt durch Erfinder, Wissenschaft und christliche Werte
Tesla zentrales Thema war die Entdeckung und Gewinnung von Energien. In seiner Schrift “The Problem of Increasing Human Energie” entwirft er eine Entwicklungsgeschichte der Menschheit als Resultat von Masse, Bewegung und Energie.
Der Fortschritt der Menschheit bestehe darin, die “Masse” der Menschen durch gute und gesunde Lebensbedingungen zu erhöhen und Wege zur Steigerung der ihr zur Verfügung Energie zu finden. Diese sollte möglichst aus “natürlichen Quellen” bezogen werden. Schon “aus Vernunftgründen”, meint er, müssten wir in Zukunft “die Energie ... ohne den Verbrauch von Material gewinnen”. So plädiert er für die Nutzung von Wind-, Wasser-, Erd-, Atmosphären- und Sonnenenergien. Geprägt von der Theologie der serbisch-orthodoxen Kirche greift er auf die von der göttlichen Weisheit den Menschen zur Verfügung gestellten schöpfungsgemäßen Energien zurück.
In der “fortschreitenden Entwicklung des Menschen” haben Erfinder und Erfindungen eine “lebenswichtige” Bedeutung.
Die Aufgabe den Fortschritt der Menschheit voranzutreiben und die hemmenden Faktoren zu beseitigen, spricht Tesla der Wissenschaft zu. Allerdings sieht er die “Grundpfeiler der christlichen Religion” in Einklang mit den wissenschaftlichen Bemühungen um die Steigerung menschlicher Energien und menschlichen Fortschritts. Diese drei “Grundpfeiler” wissenschaftlichen und christlich motivierten Bemühens sind: Nahrung, Frieden und Arbeit.
“So werden wir also sowohl vom Christentum als auch von der Wissenschaft inspiriert unser Bestes zu geben, um die Leistung der Menschen zu vergrößern.”
(“Meine Erfindungen”)
Das größte Hemmnis - der Krieg
Das größte Hemmnis, das menschlichen Fortschritt behindert, ist für Tesla – neben der “Unwissenheit” - die “organisierte Kriegsmaschinerie”. Er meinte, Krieg könne durch automatisierte Waffen, Roboter und “Wunderwaffen” abgeschafft werden, u. a. entwarf er den Plan einer (wohl nicht funktionsfähigen) “Teilchenstrahlenwaffe”, den er (vergeblich) an verschiedene Staaten verkaufen wollte. Roboter würden Menschenopfer unnötig machen und Superwaffen kriegslüsterne Mächte vom Krieg abhalten. Ziemlich moderne, aber illusionäre Gedanken!
Der Erfinder als Erlöser - Tesla als Wegbereiter des Techno-Optimismus?
Dem Wunsch seines Vaters Priester zu werden, ist Tesla nicht nachgekommen. Aber er war als Erfinder durchaus von einem Sendungs- und Missionsbewusstsein erfüllt. Es hat geradezu etwas von einem “Erlöser” an sich, wenn Tesla die Rolle des Erfinders (und damit meint er auch sich) in der Menschheitsgeschichte gleich am Anfang seiner Selbstbiographie hervorhebt. (“Meine Erfindungen, Meine Kindheit”).
Da zeichnet sich am Horizont der Zukunft das elitäre Selbstverständnis, das Sendungsbewusstsein und die Technik-Überhöhung der Silikon Valley-Gründer auf. Es wundert mich, dass in dem “Techno-Optimist Manifesto” (2023) des Silicon-Valley-Pioniers Marc Andreessen unter den “Schutzheiligen” der Name Tesla nicht auftaucht. Dabei sind in dem Manifest viele Gedanken Teslas wiederzufinden. Vielleicht ist das aber doch kein Zufall. Tesla hätte wohl kaum die Aussage des Manifests bestätigt, dass unter der Herrschaft der “Techno-Capital Machine” nur ”die besten und produktivsten Ideen gewinnen”.
Im nächsten Post erfährst Du Wichtiges über Kindheit und prägende Einflüsse
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