Sonntag, 17. Mai 2026

Nikola Teslas Elektroauto - ein "Mythos"?

Pierce Arrow Limousine 1931 - Reklamebild

Eine solche Limousine soll Tesla 1931 mit einem Elektroantrieb ausgestattet haben.

Tesla-Legenden

In alternativen und esoterischen Kreisen wird Tesla nicht nur als Wegbereiter der "Grünen Revolution" oder als einer verehrt, der Spiritualität und Wissenschaft vereinte. Es werden phantastische und Dinge über ihn verbreitet, wie, er habe Kontakt mit Außerirdischen gehabt, Zeitreisen unternommen u.a.  

Es entstanden Verschwörungstheorien, die mit der zeitweiligen Beschlagnahmung seiner Unterlagen nach seinem Tod durch das FBI und die US-Behörde für ausländischen Besitz zusammenhängen. Obwohl die Prüfungen ergaben, dass sich in den Hinterlassenschaften "keinerlei wissenschaftliche Notizen, Beschreibungen bislang unbekannter Geräte oder tatsächlich existierende Geräte befinden", wird weiter von allen möglichen geheimnisvollen Entdeckungen und Apparaten phantasiert, die vom Establishment unterdrückt würden  (Carlson, Tesla, S. 633) 

Anhalt an Teslas Ideen finden die Anhänger der "Freien Energie-Bewegung", die behaupten aus dem "Äther" freie Energie beziehen zu können. In diesen Bereich gehört die Überlieferung, Tesla habe ein Elektroauto in Betrieb gesetzt, das mit "kosmischen Strahlen" angetrieben worden sei.

Es ist denkbar, dass der Wechselstrom (AC)- Fahrzeug- Entwickler Musk mit seinem Vorwurf der mangelnden “Accessibilität der Erfindungen Teslas an die Überlieferung dachte, dass Tesla einen Wechsel-Strom-Pkw erfolgreich in Betrieb gesetzt haben soll. Wenn Tesla ein Wechselstrom-Auto entwickelt hat, wäre das ein Beispiel im Sinne des Urteils von Musk. 

Ich weiß, die meisten Autoren, die sich mit dieser Tesla-Überlieferung beschäftigt haben, halten das Elektro-Auto Teslas für einen “Mythos und bringen auch Argumente dafür zur GeltungEine genauere Überprüfung der Quellen für diese Überlieferung lässt es aber durchaus für möglich erscheinen, dass Tesla ein solches Fahrzeug entwickelt hat.

Elektromotoren waren in dieser Zeit längst bekannt und in Gebrauch. Tesla selbst hatte schon ab 1882 in Europa die Funktionsweise eines Wechselstrom-Motors konzeptualisiert. Ab 1887 konstruierte er in New York neuartige Wechselstrommotoren, auch den Induktionsmotor, der heute in Elektroautos verwendet wird. Es ist wenig bekannt, dass Elektro-Fahrzeuge schon auf den Anfang des 19, Jahrhunderts zurückgehen und Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts in den USA sehr verbreitet waren

Ein Elektromotor, der mit kosmischen Strahlen angetrieben wurde?

1932 berichtete der 76-jährige Tesla auf einer Pressekonferenz, dass er einen Motor entwickelt habe, der mit kosmischen Strahlen betrieben werde. (Carlson, Tesla, S. 613 / Brooklyn Eagle, 10.07.1932.) Die Leistung dieses “motive device” sei noch gering, er habe aber die Hoffnung einen großen Motor im großen Maßstab bauen zu können; die Umstände für die Umsetzung des Plans seien allerdings bisher nicht günstig gewesen. Der Journalist, der über die Aussagen Teslas berichtet, war J.J.A. O´Neill, wissenschaftlicher Redakteur des “Eagle” und erster Biograph Teslas. (“Prodigal Genius, The Life of Nikola Tesla, 1944) 

Ausschnitt Titelseite der Brooklyn Eagle vom 10.07.1930 mit einem Bericht über einen mit kosmischen Strahlen betriebenen Motor Teslas (Quelle: 10 Jul 1932, page 1 - Brooklyn Eagle at Brooklyn Public Library - Brooklyn Public Library Archive )

In erster Linie geht die Geschichte von Teslas Elektroauto auf einen Petar Savo zurück, der sich als Neffe Teslas ausgab, was aber umstritten ist. Erwähnenswert ist, dass er Pilot in der österreichischen Armee war, also mit Technik vertraut sein musste. In einem Interview 1967 mit dem Luftfahrtingenieur Derek Ahlers – das in einer Zusammenfassung überliefert ist - erzählt er, sein Onkel habe ihn 1931 eingeladen in die USA zu kommen. Dort erlebte er den Start eines von Tesla konstruierten Elektroautos und beschrieb das Fahrzeug und Probefahrten detailliert

Es gibt auch noch andere Versionen der Beschreibung, die teilweise, aber nicht grundlegend von der Darstellung Savos abweichen.  Angeblich hat Tesla auch einem Heinrich Jebens, erster Direktor des “Deutschen Erfinderhauses e. V., Hamburg, ein Elektroauto vorgeführt - auf Vermittlung von Petar Savo. Nach Jebens muss Tessla schon vor 1931 mit der Entwicklung des Elektroautos beschäftigt gewesen sein.

Aktenotiz Heinrich Jebens über eine Amerikareise, die Begegnung mit Petar Savo und Tesla, der ihm ein (angeblich) mit “Aether-Energie” angetriebenes Auto vorführte.(Quelle: Tesla Car 1930 Pierce Arrow - Der Mythos ist wahr! )

Von diesem Auto existieren keine Planungs- oder Konstruktionsunterlagen, Tesla wollte das Projekt anscheinend geheim halten. 

Nach dem Bericht Savos verwendete Tesla eine Luxuslimousine der Marke Pierce-Arrow. Offenbar wurde der Originalmotor durch einen Wechselstrom-Elektromotor ohne externen Anschluss ersetzt. Aus einer zusätzlichen Box (“Konverter”) mit Vakuumröhren führte über das Heck eine starke Antenne von etwa 1,80 m Länge hinaus. Außerdem ragten zwei robuste Stäbe etwa 10 cm aus der Box heraus. Diese Box war auf dem Beifahrersitz untergebracht und mit dem Motor durch Kabel verbunden. So die Beschreibung Savos. Woher der Strom für den Motor kam, ist unklar. 

Esoteriker vermuten unter Berufung auf Tesla selbst und die Antenne: aus dem “Äther”. Tesla war von der Äther-Theorie” überzeugt. Sie besagt, dass es eine feinstoffliche Substanz gebe, die als Medium für Licht, Gravitationswirkungen, die elektromagnetischen und optischen Phänomene und letztlich als Träger aller physikalischen Vorgänge wirkt. 

In esoterischen Konzepten gilt der Äther als allumfassende Ur-Substanz, aus der sich alle Materie verdichtet hat. Im Äther finde sich noch ungebundene, freie Energie, die angezapft werden könne. Die Anhänger dieser Überzeugung schwärmen unter Berufung auf Tesla davon, dass im Äther grenzen- und kostenlos Energie zur Verfügung stünde, man müsse sie nur anzapfen. Dafür bieten sie auch Geräte an, zum Kauf oder zum Nachbau.

Die Existenz eines hypothetischen Äthermediums konnte experimentell nicht bewiesen werden und wurde durch Experimente und Beobachtungen widerlegt. Seit Einsteins “spezieller Relativitätstheorie” benötigt die Physik kein Trägermedium mehr als Erklärung für die Ausbreitung elektromagnetischer Wellen.

Es kann sein, dass “Tesla-Fans” die Überlieferung von einem Tesla-Elektromobil mit seinen Experimenten mit den angeblichen “kosmischen Strahlen” zusammengewürfelt haben. 

Weniger esoterische Erklärungen für Teslas Elektroauto

Es gibt eine weniger esoterische Erklärung für die Stromerzeugung in Teslas Elektromobil. Sie ist allerdings auch hypothetisch. 

Tesla könnte die Vakuumröhren genutzt haben, um einen Radiowellenempfänger bzw. –verstärker zu bauen. Über die Antenne würden dann Radiowellen in die Verstärkerröhren. eingeflossen sein. (Radiowellen sind elektromagnetische Wellen und können natürlichen oder künstlichen Ursprungs sein, die Erdatmosphäre ist eine Quelle dieser Wellen.) Die beiden kurzen Stäbe hätten als Ein/Aus-Schalter gedient, um den Stromkreis zu schließen. Die Röhren wären eine Art Transistor gewesen, der den Stromfluss regelt und verstärkt. Der vorhandene Generator des Pierce-Arrow könnte dazu verwendet worden sein, um die Batterie des Pierce-Arrow fortlaufend zu laden. Die schon eingebaute Zündspule des Fahrzeugs hätte die niedrige Spannung des Antennenempfängers zu der Vollzahl an Volt herauftransformiert, die für die Energieversorgung des Elektromotors nötig war. Mit der Transformation von Niedrig- in Hochspannungen hatte Tesla Erfahrungen. 

Es scheint allerdings fraglich, ob Radiowellen genügend Energie bringen, um zum Antrieb eines Automobils geeignet zu sein, damit wäre die Theorie vom Antrieb durch kosmische Strahlung hinfällig und bliebe es offen, woher die Energie für das Fahrzeug kam. Wenn das mit der “Saga” von Teslas Elektroauto stimmt, könnte der Motor von einer Akkumulatorenbatterie gespeist worden sein, wie sie heute in Elektroautos verwendet wird. Tesla hatte 1898 das Patent für ein von einer solchen Batterie angetriebenes, funkgesteuertes Boot angemeldet. 

Wie dem auch sei, Tesla soll bei Probefahrten in der Gegend zwischen Buffalo und den Niagarafällen eine ganze Woche, stundenlang, bis zu 145 km/h gefahren sein. 

Eine Tesla-Legende wird Wirklichkeit

Ob Teslas Elektro-Auto nun ein “Hoax” ist oder nicht, es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass er sich mit einem solchen Projekt befasste. Aus welchen Gründen auch immer, das Vorhaben oder das womöglich realisierte Projekt wurde weder zur technischen Reife noch zur Marktfähigkeit weiterentwickelt. 

Es heißt, Teslas Experiment sei in Zusammenarbeit mit der Pierce-Arrow Motor Car Company entstanden. 1938 musste die Firma Insolvenz anmelden und das Werk in Buffalo, New York, schloss seine Tore. Damit war der Möglichkeit der (Weiter-)Entwicklung eines originalen “Tesla”-Elektro- Automobils die wirtschaftliche Grundlage entzogen. 

Es dauerte 75 Jahre bis das Projekt von “Tesla Motors” wieder aufgenommen - und dank der Geschäftstüchtigkeit von Musk zum Erfolg geführt wurde. Musk konnte es sich 2014 leisten 1 Million Dollar zur Unterstützung eines neuen Tesla-Museums auszuloben, das auf dem ehemaligen Labor-Gelände Teslas in Wardenclyffe auf Long Island, New York, errichtet wurde. 


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