Tesla lesend in seinem Laboratorium in New York 1896 (vor einem seiner Transformer). In seiner introvertierten Haltung wird etwas von seiner Erfindermethode deutlich.
Eine ungewöhnliche Methode Erfindungen zu entwickeln
Schon in der Kindheit wurde der Grund für Teslas Art und Weise zu erfinden gelegt. Als Kind litt er unter quälenden Visionen. Ihm erschienen Bilder, “die - oft begleitet von starken Lichtblitzen – das Aussehen von wirklichen Gegenständen annahmen und sich mit meinen Gedanken und Taten vermischten.” (“Meine Erfindungen”) Mit der Zeit lernte Tesla diese zwanghaften Erscheinungen zu kanalisieren und produktiv zu machen. Er fand heraus, dass es besser war, seine Visionen zuzulassen und neue Eindrücke zu erzeugen. Er begann – wenn er alleine war – in neue Welten und Bekanntschaften “zu reisen”, die für ihn genauso “eindrucksvoll waren wie im richtigen Leben.”
Diese “Übungen” vollzog er ständig, bis im Alter von 17 Jahren seine “Gedanken sich ernsthaft mit Erfindungen befassten”. Er bemerkte, dass er mit Leichtigkeit geistige Bilder von möglichen Erfindungen erzeugen konnte und hierfür keine Modelle, Zeichnungen oder Experimente benötigte. Dabei phantasierte Tesla aber nicht ohne Anhalt an der vorfindlichen Realität.
“Die unaufhörlichen geistigen Übungen entwickelten meine Beobachtungsgabe und ermöglichten es mir, eine bedeutende Wahrheit zu entdecken.”
So hatte sich Tesla durch Selbstkontrolle, Instrumentalisierung seiner Einbildungskraft und Stärkung der Beobachtungsgabe die mentalen Fähigkeiten erworben, mit denen er als Erfinder arbeitete und die seine Besonderheit ausmachten.
“Auf diese Weise” - so führt er aus - “bin ich unbewusst dazu geführt worden, eine neue Methode der Materialisierung schöpferischer Konzepte und Ideen zu entwickeln, die der rein experimentellen Methode völlig entgegengesetzt ist, die in Edison zweifellos ihren größten und erfolgreichsten Vertreter hat.”
Tesla entwarf, entwickelte und verbesserte seine Erfindungen in seiner Vorstellung so lange, bis er sie für reif für die praktische Umsetzung hielt. Er war überzeugt, dass seine Geräte so arbeiten würden, wie er es sich vorgestellt und die Experimente das ergäben, was er geplant hatte. Ohne Zweifel gelangen ihm auf diese Weise bedeutende und wegweisende Erfindungen.
Aber genau darin lagen auch die Schwächen und Gefahren seiner Methode. Er hielt hartnäckig daran fest, dass seine Projekte funktionieren müssten und suchte unablässig nach Beweisen, die die Welt überzeugen sollten. Er vernachlässigte aber kritische Einwände der Fachwelt und mögliche “Falsifikationen” seiner Ideen. Das ist der tiefere Grund für das Scheitern oder die Erfolglosigkeit mancher seiner Vorhaben, gerade solcher, die ihm überaus wichtig waren.
Es wäre aber ein Missverständnis zu meinen, Tesla wäre ein spekulativer Erfinder gewesen. Seine Colorado Springs- und Wardenclyffe-Labore mit ihren Konstruktionen und Experimenten zeigen seine Bemühungen um empirische Nachweise seiner Theorien. Allein der Blick in die Colorado Springs Notes (1899-1900) beeindruckt durch die Fülle mathematischer Berechnungen und Planungszeichnungen.
Tesla-Aufzeichnungen in "Colorado Springs Notes"
Was ist heute noch aktuell an der Person und den Gedanken Teslas. Das ist Thema des nächsten Posts: Fazit und Ausblick - was bleibt von Nikola Tesla
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