Was bleibt von Tesla?
Im Alter zog sich Tesla immer mehr zurück. Er starb im Alter von 86 Jahren im Januar 1943 im Hotel New Yorker in New York. Die Todesursache war Koronarthrombose.
Dies ist das letzte Bild von ihm. (Quelle: Last Picture of Nikola Tesla, 1943 - Rare Historical Photos )
Einige der Erfindungen dieses Mannes haben die Welt verändert, viele seiner Visionen haben sich erfüllt, manches ist noch nicht ausgeschöpft. Alles in allem: Tesla ist Geschichte. Als historische Person ist er der Erinnerung wert – und einiges von und an ihm ist heute noch bedenkenswert. Für unsere Weltsituation ist es nicht so wichtig, alles aufzuzählen, was er an technischen Neuerungen erfunden hat, wichtiger wäre es, wahrzunehmen, wozu er als Erfinder letzten Endes antrat. Was ist also sein Vermächtnis für heute?
Tesla war dem Fortschrittsglauben des 19. Jahrhunderts verpflichtet, aber er warnte vor den Gefahren technologischer Fortschritte, die nicht auch “zivilisatorische” Fortschritte sind, nur dem “leiblichen Wohl” und materiellen Zwecken dienen, nicht auch “humanitäre” Ziele haben.
Er bringt in “Meine Erfindungen” ein Beispiel:
“Wenn wir die Energie der Atome freisetzen oder irgendeinen anderen Weg finden könnten, um billige Energie in unbegrenzten Mengen auf jeden Punkt der Erde herzustellen, dann würde diese Errungenschaft zu einem Desaster für die Menschheit führen, anstatt deren Wohl zu dienen, da dies zu Zwietracht und Anarchie ... führen würde.”
Warum wohl? Ich lasse es offen. Jedenfalls ist es eine Gegenansicht zum “Techno-Optimist Manifesto”, das behauptet, “durch eine massive Energieausweitung”, einschließlich der Atomkraft, würde es “allen besser” gehen und nicht “zu Lasten der natürlichen Umwelt” ausschlagen.
Seit dem 19. Jahrhundert haben Erfindungen und Innovationen das menschliche Leben und die Umwelt in allen Bereichen grundlegend verändert. Unser Alltag wird von Erfindungen der Neuzeit und Moderne geprägt, ohne die unser Leben kaum mehr denkbar ist. (Siehe Liste im Anhang!)
Wozu an Tesla erinnern?
Die moderne Welt benötigt Innovationen zur Verbesserung der Lebens– und Produktionsverhältnisse - und sie kommen in immer rascherer Folge auf uns zu. Riesige Summen werden von Staaten und Unternehmen in Forschungs- und Entwicklungsvorhaben gesteckt – oft nicht sinnvoll und zum Besten der Menschheit. Nach Sinn und Folgen wird nicht immer gefragt. Hauptsache, die erzielten Resultate und Produkte funktionieren und gerieren Gewinne. Erfinder – oder besser die emsigen Erfinderteams in Labors und Entwicklungszentren – werden zu Erfüllungsgehilfen der “Kapital-Maschinerie” und halten sie im Gang.
Es sollte auch nicht übersehen werden, dass ein Großteil menschlichen Erfindergeistes in die Entwicklung von Waffen, fragwürdige Weltraumprojekte, Umwelt und Menschen schädigende Technologien fließt.
Die Erinnerung an einen “altmodischen” Erfinder wie Tesla, dem es auch um Ideale ging, könnte uns zum Innehalten und Reflexion über Sinn und Unsinn eines ungezügelten technologischen Fortschritts bringen. Es ist Zeit, kritisch zu prüfen, was zu unser aller Wohl technisch sinnvoll, ethisch vertretbar, für die Umwelt schonend und ein humanes Zusammenleben fördernd ist.
Erfindungen zum Wohle des Menschen - Kriterien
Ich zitiere Tim Bernars-Lee, einem der Geburtshelfer des World Wide Web. Er meint, eine gute Erfindung erkenne man daran, dass “sie gut für den Einzelnen und die gesamte Menschheit” sei. Doch was ist gut für den Einzelnen und die Menschheit?
Uns stehen heute Mittel zur Verfügung, deren Wegbereiter Tesla zwar war - praktisch und visionär - über die er aber nicht verfügte. Die Digitalisierung mit ihren Geräten und Prozessen kann ein großes Hilfsmittel für “gute” - d. h. für die Lebensqualität des Einzelnen und eine humane Gesellschaft förderliche -Erfindungen sein, trägt aber auch dazu bei, dass viel “Müll” und nicht Akzeptables produziert wird. Hier bedarf es verbindlicher Regelungen, auch unter Einbeziehung moralisch-ethischer Standards.
Bernards-Lee schlägt vor:
„Ich wünsche mir, dass im Internet Systeme entstehen, mit denen wir mehr oder weniger ein gemeinsames Verständnis dafür entwickeln, was gut ist für die Welt. Vielleicht können wir eine Art Wikipedia für Demokratie errichten, wo wir gemeinsam entscheiden, was getan werden muss.“
Um Innovationen hervorzurufen, die tatsächlich dem “Wohle der Menschen” dienen, wäre es angebracht, Raum für Wissenschaftler und Erfinder – und seien es Einzelne und Außenseiter - zuzulassen, die nicht nur im Sinne des Marktes und seiner Betreiber “funktionieren”, sondern wie Tesla, träumerisch, intuitiv, kreativ, individualistisch, auch “disruptiv”, daran arbeiten, Neues zu finden, was unsere Lebensumstände wirklich verbessert - und nicht vor allem Trusts und Superreichen nützt.
Hier können innovative Startups mit nachhaltigen Neuerungen und Lösungen, Erfinderberatung und Erfindertreffs eine alternative Rolle bekommen.
Zum Schluss: Tesla-Zitate zum Nachdenken: Nikola Tesla: Die Visionen und Zitate eines Genies (Video)
Im nächsten Post findest Du die Hauptquellen, die ich für dieses Blog verwendet habe. (Andere sind im Text - meist mit Links - angegeben.) Außerdem habe ich eine Liste der wichtigsten Erfindungen der modernen Zeit zusammengestellt: Quellen - Liste wichtiger moderner Erfindungen
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