Sonntag, 17. Mai 2026

Kindheit und prägende Einflüsse

Foto: junger Erfinder

Angeblich soll das der junge Tesla sein. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Wir können uns aber so Tesla in seiner Kindheit vorstellen.

Begegnung mit einem Unbekannten - Besuch im Tesla Museum Karlovac

Vor meiner Beschäftigung mit Tesla wusste ich nicht viel von ihm. Aufmerksam auf ihn wurde ich durch einen Urlaubsaufenthalt in der Nähe von Karlovac, einer Kleinstadt in Mittelkroatien. In der früheren österreichischen Provinzhauptstadt besuchte Nikola Tesla das KöniglicheRealgymnasium, wo er viele Anregungen von seinem Physiklehrer erhielt. 

Neben der Schule steht ein modernes, interaktives Tesla-Museum. In ihm wird man in Herkunft, Leben und Werk des Erfinders eingeführt und kann auch manches Experiment mit Elektrizität machen. Was mich in dem Museum fesselte, waren die Dokumente seines Weges zu einer kreativen und vielseitigen Persönlichkeit. 

Tesla Museum Karlovac             Gymnasium Karlovac 

Das Tesla-Museum in Karlovac (Kroatien) und das Gymnasium in dieser Stadt, das Tesla besuchte

          

Tesla Museum Karlovac

Blick in das Museum

Teslas Kindheitserfahrungen - Die Eltern


Teslas Kindheitserfahrungen waren prägend für seine Entwicklung zum Erfinder, für seine Methode Erfindungen zu realisieren und für die Entstehung seines Weltbildes. Ich will hier aber keine Einzelheiten berichten, sondern mich auf einige wesentliche Eindrücke beschränken. 

Foto - Vater und Mutter Nikola Teslas
Der Vater: Milutin Tesla (1819–1879)   / Die Mutter: Georgina (Đuka), geborene Mandić, 1822–1892)  

  
Pfarrhaus und Kirche in Smiljan mit Tesla-Denkmal

Das Wohnhaus der Familie Tesla in Smiljan neben der Kirche. Davor ein Tesla-Denkmal. (Quelle: Wikipedia.org/Zátonyi Sándor,)

Nikolas Eltern waren Serben, die im damaligen zur Habsburger Monarchie gehörigen Teil des heutigen Kroatiens lebten - zunächst im Dorf Smiljan, wo auch Nikola 1856 geboren wurde.  Sein Vater stammte aus einer Militär-Familie, er sollte selbst  eine  militärische Laufbahn einschlagen, wurde dann aber serbisch-orthodoxer Priester. Er wird als ernst, idealistisch, gebildet, vielseitig interessiert und aufgeschlossen für soziale Reformen – vor allem für die serbische Minderheit - geschildert. Sein Amt als Gemeindepriester nahm er gewissenhaft wahr und galt als guter Prediger. Er besaß eine große Bibliothek, verbot jedoch seinem Sohn darin zu lesen, was dieser dann nachts heimlich tat

Nikola stand im Schatten eines älteren Bruders, den die Eltern für außergewöhnlich begabt hielten, der aber durch einen Unfall früh verstarb. Die Eltern trauerten so über den Verlust des Kindes, dass sie nicht in der Lage waren, die andersartigen Begabungen ihres zweiten Sohnes zu schätzen. Nikola bemühte sich um ihre Liebe, indem er ein perfekter Sohn sein wollte. Aber anscheinend konnte er es dem strengen Vater nie recht machen, er zog sich in sich zurück und entwickelte wenig Selbstvertrauen, dafür aber alle möglichen “Ticks” und Zwänge, die er zum Teil lebenslang beibehielt. 

Sein Vater wollte, dass Nikola wie der verstorbene Sohn in seine Fußstapfen trete und Priester werde, was aber Nikola überhaupt nicht entsprach. Er unterwarf seinen Sohn Übungen, die Gedächtnis, Verstand, Kritikfähigkeit und Disziplin schulen sollten. Der Vater förderte die Schulbildung und später die Hochschulausbildung seines Sohnes. 

Nach Abschluss seiner Schulzeit in Karlovac erkrankte Nikola lebensgefährlich an Cholera. Seinem zutiefst erschrecktem Vater rang er das Versprechen ab, ihn nicht Priester, sondern Ingenieur werden zu lassen, entsprechend seinen Interessen an Maschinenkonstruktionen, Physik, Elektrizität und Mathematik. Darauf gesundete der Sohn.

Die Mutter Nikolas stammte aus einer Priester-Familie. Sie widmete sich unermüdlich dem Haushalt und der Familien-Wirtschaft. Sie erfand Geräte und Werkzeuge zur Verbesserung ihrer Haushaltsführung. Dies und ihre Leistungen in der Wirtschaftsführung erfüllten sie mit Zufriedenheit

Sie war einfühlsamer als der Vater und verstand es, den Sohn durch geschickte pädagogische Interventionen von Torheiten abzubringen. Die Übungen, die sie mit dem Sohn vornahm, waren andere als die des Vaters, z. B. die Gedanken von Menschen zu erraten oder Fehler in Redewendungen zu finden. (Sich präzise ausdrücken zu können, hat etwas mit Genauigkeit beim Erfinden zu tun. Wortgewandtheit hat Tesla von beiden Eltern mitbekommen.) Tesla sagt selbst, dass es die Erfindungsgabe der Mutter war, die ihn dazu anregte, alle möglichen kindlichen Geräte und Apparaturen in der Phantasie zu entwerfen oder auch real zu bauen. (Meine Erfindungen

“Erbschaften” der Eltern - Fähigkeiten und Fertigkeiten

Es ist ersichtlich, dass die Eltern Tesla zwar einige schwierige “Erbschaften” auf den Lebensweg mitgaben, aber auch viele Fähigkeiten für den Weg zum Erfinder. 

Vom Vater: intellektuelle Fähigkeiten, Rationalität, theoretisches Denken, eine gute Bildung, Disziplin, Hartnäckigkeit in der Verfolgung von Zielen, Werte wie nicht so sehr an eigenen Vorteilen orientiert zu sein, sondern am Wohlergehen der Gemeinschaft. 

Von der Mutter: Geschicklichkeit und Verbesserungen im Umgang mit Dingen, Einfühlung in Menschen und natürliche Prozesse, Zufriedenheit durch die Erfüllung von Aufgaben und Leistungen für die Gemeinschaft. Die kreative und intuitive Seite Teslas fand sicher ihr Vorbild in der Mutter.

Einfluss der serbisch-orthodoxen Theologie

Kuppelgemälde in serbisch-orthodoxer Kirche Zürich
Kuppelgemälde in der serbisch-orthodoxen Kirche "Maria Himmelfahrt" in Zürich - Christus der "Logos". (Bild:  Christian Merz / Miroslav Simijonovic). Quelle: Die serbisch-orthodoxe Kirche ist ...

Eine weitere “Erbschaft”, die Tesla mitgegeben wurde, ist die Prägung durch die Theologie der serbisch-orthodoxen Kirche. W. B. Carlson hat in seiner profunden und aufschlussreichen Tesla-Biographie darauf aufmerksam gemacht, dass Tesla in seinen Forschungen von der “Logos”-Theologie der orthodoxen Kirche beeinflusst wurde. (“logos” griech.: Wort, Sinn, Vernunft – In Joh. 1 wird der Logos mit dem präexistenten und in Jesus inkarnierten “Sohn Gottes” der göttlichen Trinität gleichgesetzt.)

Es war für Tesla als Kind unumgänglich, am Gemeindeleben und an den Gottesdiensten der Gemeinden seines Vaters teilzunehmen, wobei er sich als Glöckner betätigte. Im späteren Leben bezeichnet sich Tesla als Christ und Philosoph” (Carlson, Tesla, S. 384), er war aber keine “Kirchenchrist. 

Als Ingenieur und “Philosoph” vertrat Tesla ein mechanistisches Menschen– und Weltbild. Er sah sich und die Menschen als “Automaten” funktionieren, ohne aber wie Technokraten religiöse, moralische und humanistische Werte aufzugeben. Einige solcher Werte, zu denen Tesla durch seine Erfindungen beitragen wollte, sind 

dauerhafte freundschaftliche Beziehungen ... engere Kontakte und ein besseres Verständnis zwischen den Menschen und den Gemeinden überall auf dieser Welt ... die Ausmerzung dieser fanatischen Hingabe an überzogene Ideale und nationalen Egoismus ... wirklicher Friedendurchuniverselle Aufklärung” und “Vermischung der Rassen”. 

(The Problem of Increasing Human Energy / Das Problem der Steigerung der menschlichen Energie, 1900). 

Ohne Zweifel ging es Tesla um lebenswerte und gerechte Verhältnisse, aber was bei seinem mechanistischen Gesellschaftsbild und Betonung der “Masse” fehlt, ist der Blick auf die Freiheit des Einzelnen. Das ist verwunderlich bei einer Persönlichkeit, die - nach der Beschreibung eines Reporters - “eine Mischung aus Eigenliebe und Selbstbewusstsein” verströmte. (Carlson, Tesla, S. 18)

Nach Carlson hat Tesla etwas von der zentralen Lehre der orthodoxen Kirche verinnerlicht, nach der die Welt vom göttlichen “logos geschaffen und durchwaltet ist. Der “logoswird als eine ontologische Rationalität, die in den göttlichen Rationalitäten ihre Quelle” hat, verstanden. (So der orthodoxe Theologe Dumitru Popescu ) Bei Tesla drückt sich das in säkularisierter Weise in seiner Suche nach grundlegenden, vernünftigen und sinnvollen Prinzipien in der physikalischen Welt aus. Die oft intuitive Erkenntnis solcher Prinzipien steht bei ihm am Anfang seiner Erfindungen. Bei ihm gilt: am Anfang war die Idee, erst dann kommt die Ausarbeitung, das Experiment, die Tat” (Goethe, “Faust”, “Studierzimmer”).

Eine weitere theologische Denkfigur der orthodoxen Lehre kommt hinzu. Die der Schöpfung innewohnende Rationalität manifestiert sich in den “geschaffenen Energien”, die aus den unerschaffenen Energien Gottes fließen. Gott erschafft, erhält und erlöst die Welt durch seine unerschaffenen und von ihm geschaffenen Energien. 

Energie ist ein zentrales Thema für Tesla. Bei seinem Plädoyer für natürliche Energien ist der Einfluss der orthodoxen Theologie unverkennbar.

Tesla war ein besonderer Erfinder.  Er hatte eine ungewöhnliche Erfindermethode, über die der nächste Post erzählt: Teslas Erfindermethode

Teslas Kindheit und prägende Einflüsse - Graphik




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